Offenbach – Sie füllen ganze Stadien, prominente Plätze wie den Frankfurter Römerberg, Kirchentage sowieso: Die christliche Band Habakuk feiert ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumskonzert in Offenbach. Ihr Gründer und Kopf, Theologe Eugen Eckert, 71 Jahre, ist als früherer Stadionpfarrer der Frankfurter Eintracht im vergangenen Jahr nach Offenbach gezogen (wir berichteten) – und auch Gitarrist, Komponist und Studioproduzent Jan Koslowski wohnt und lebt in Offenbach. „Da mussten wir nicht lange überlegen, wo wir unser Jubiläumskonzert spielen“, sagt Eckert schmunzelnd.
Der Bandgründung war der 16. Evangelische Kirchentag 1975 in Frankfurt vorausgegangen. „Damals trat Peter Janssens mit seinem Gesangsorchester aus Telgte auf, seine begeisternde, professionelle Interpretation von geistlicher Pop-Musik wirkte ansteckend“, erinnert sich der Pfarrer. Gemeinsam mit Freunden aus der Jugendarbeit in der Frankfurter Gethsemane-Gemeinde und der evangelisch-methodistischen Kirche gründete er die Band „Habakuk“, benannt nach dem biblischen Propheten.
Rund 2000 Lieder aus Eckerts Feder
Niemand hätte damals geahnt, dass die Band trotz wechselnder Zusammensetzung unter dem Gründungsnamen auch fünf Jahrzehnte später noch erfolgreich öffentlich auftritt. Sie ist anhaltend kreativ im Schaffen von Liedgut, das sich mit der Zeit im ganzen deutschsprachigen Raum verbreitet hat und bei Gottesdiensten, Konzerten und Workshops gespielt und gesungen wird. Rund 2000 Lieder stammen aus Eckerts Feder, etwa „Eingeladen zum Fest des Glaubens“ (getextet von Eckert, komponiert von Alejandro Veciana) oder „Weite Räume meinen Füßen“, die auch im Internet bekannt sind. Auch „Importiertes“ zählt dazu wie „Bewahre uns Gott“, das auf ein modernes Kirchenlied der Friedensbewegung in Argentinien zurückgeht und Eingang ins Evangelische Gesangbuch gefunden hat.
Die Inspiration für seine Texte zieht Eckert zum einen aus den Herausforderungen des Weltgeschehens, hauptsächlich aber geht es um die großen Themen der Menschheit, die seit Jahrtausenden – und damit schon der Entstehungszeit der Bibel – unverändert seien: Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung. „Und die Sozialfantasie, wie Leben im Miteinander gelingen kann.“ Martin Luther habe Musik sehr geliebt, erzählt der Offenbacher: „Sie geht durchs Ohr direkt ins Herz der Menschen. Musik war für ihn deshalb wie Religion.“ Auch für Eckert ist das Schreiben der Songtexte eine Möglichkeit, seinem Glauben Ausdruck zu verleihen. Wie bei einer guten Predigt seien die Botschaft, die Konnotationen, bewusst nicht eindimensional, sondern so, dass sie zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. „Dahinter gibt es mehr zu entdecken. Die Bibel als Quelle ist dabei ein kluges und weises Buch.“
Eine Fülle von Habakuk-Liedern findet sich in den aktuellen Gesangbüchern aller christlichen Konfessionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz – neben dem Evangelischen Gesangbuch und seinem Ergänzungsband EG+ etwa im katholischen Gotteslob. Herausgegeben hat die Band zunächst fünf Langspielplatten und später 22 CDs.
„Ein Glücksmoment dahinter ist, dass sich die Band aus professionellen Musikerinnen und Musikern zusammensetzt“, sagt Eckert. Die meisten treten dabei in unterschiedlichen Zusammensetzungen mit verschiedenen Bands nicht nur in kirchlichen, sondern auch in kommerziellen Kontexten auf. „Daraus sind feste Freundschaften entstanden, aus denen sich ein blindes Verständnis im Zusammenspiel ergibt“, blickt der ehemalige Pfarrer der Lauterborngemeinde zurück.
In den fünf Jahrzehnten ihres Bestehens wirkte die Band bei 25 Deutschen Evangelischen Kirchentagen seit Berlin 1977 und zahlreichen Katholikentagen mit. Herausragend in dieser Zeit ist für Eckert, dass Habakuk zwischen 1983 und 2003 in den jeweiligen Kirchentagsstädten alle Bibelarbeiten der namhaften Theologinnen Luise Schottroff und Dorothee Sölle in regelmäßig überfüllten Messehallen musikalisch gestaltet haben.
Derzeit entsteht ein Buch, in dem Eckert im Zusammenspiel mit den anderen Bandmusikern Erinnerungen an jedes der zurückliegenden 50 Jahre zusammenträgt – durch Erzählungen, Fotos und jene Lieder, die die Band anlässlich der Kirchentage geschrieben hat. „Das ehrgeizige Ziel, das Buch zum Konzert vorlegen zu können, werden wir verfehlen“, bedauert Eckert, der seine Sommer traditionell als „Strandpfarrer“ auf Spiekeroog verbringt. Die Arbeit dafür sei sehr umfangreich und die Urlaubszeit dazwischen gegrätscht. Aber eine Vorstellung des Projekts und die Möglichkeit für Vorbestellungen wird es beim Konzert geben. Und handgemachte Musik mit Tiefgang sowieso.VERONIKA SCHADE
Das Jubiläumskonzert
von Habakuk steigt am kommenden Sonntag, 7. September, um
17 Uhr in der evangelischen Markuskirche, Obere Grenzstraße 90. Die Kirchenpräsidentin der EKHN, Professorin Christiane Tietz, hält die Laudatio auf das Ensemble und seine Mitglieder. Der
Eintritt ist frei, Spenden erbeten.






