Leslie Link

 

 

Als "Hanauer Gitarrengott" hier eigentlich fehl am Platz.Geboren ist er aber als Harald Heinz Link 1947 im Kreis Offenbach, genauer gesagt in Seligenstadt.

 

 

Offenbach-Post-Artikel vom 13. Mai 2011:

 

Der Teen unter den Twens

 

Hanau - Er sitzt unter dem Gitarrenhimmel und sagt: "Ich lebe noch, ich bin unschuldig." Ein bisschen macht den 63-Jährigen die plötzliche Aufmerksamkeit nervös, obwohl er im Showgeschäft zuhause ist.   Von Erwin Diel

 

„Ich hab´ nix gemacht“, sagt Leslie Link. Das stimmt natürlich nicht. Der heute 63-Jährige Gitarrist spielte in den 60ern und 70ern in deutschen Star-Bands. Seit 1976 hängt in seinem eigenen Laden quasi der Himmel voller Gitarren.
„Ich hab´ nix gemacht“, sagt Leslie Link. Das stimmt natürlich nicht. Der heute 63-Jährige Gitarrist spielte in den 60ern und 70ern in deutschen Star-Bands. Seit 1976 hängt in seinem eigenen Laden quasi der Himmel voller Gitarren.

 

Journalisten geben sich in seinem Laden in der Hanauer Altstadt die Klinke in die Hand, das Radio lässt sich seine Geschichte erzählen. Die handelt von einer lange zurück liegenden Zeit, die allerdings bis heute nachwirkt. Es geht um Rock'n'Roll und Rhythm'n'Blues, um laute Musik und um eine Jugendrebellion. Die zählt heute zum einst verhassten Establishment und räumt Orden und Preise ab. Der Hanauer Vorzeige-Gitarrist jener Jahre, Harald Heinz Link, den alle nur als Leslie kennen, bekommt am Sonntag die August-Gaul-Plakette, die höchste kulturelle Auszeichnung der Stadt (15 Uhr, Roter Saal, Schloss Philippsruhe).


"Ich hab' nix gemacht", schüttelt Link die heute grau durchsetzten roten Locken und lächelt verschmitzt, weil der Satz natürlich so nicht stimmt. Musikalisch war der in Seligenstadt geborene junge Harald Heinz ein Frühstarter, dank Onkel Martin aus Zellhausen. Der hatte nicht nur eine Kneipe, sondern auch ein Knopfakkordeon und holte den Neffen auf die Bühne. Beim Zellhäuser Feuerwehrfest trat die Familienband erstmals auf, mit Polka und französischen Walzern; für 80 Mark Gage. Eine Fortsetzung der Festzelt- und Kneipenmusiker-Karriere stoppte dann das Jugendamt mit 500 Mark Bußgeld für Onkel Martin. Der Gitarrist war nämlich erst 13 - und hatte musikalisch inzwischen sowieso andere Vorbilder.

 

„Ich hab’ geübt wie ein Wahnsinniger“

 

Die hießen Elvis Presley und Little Richard oder Shadows und Spotnicks und spielten amerikanische Elektro-Gitarren. "Ich hab’ geübt wie ein Wahnsinniger", sagt Link. Morgens zwei Stunden vor dem Gang zur Lehre als Plakatmaler, in der Mittagspause und nach Feierabend wieder. Mit 14 gründet er seine erste eigene Band, die Mitspieler machen aus dem uncoolen Harald Heinz "Leslie and his Phantoms". Seitdem hat er seinen Namen weg. Beim Auftritt in Blankenbach im Kahlgrund schlug das Publikum die Einrichtung klein.


Mit den "Twens" werden Berufsmusiker auf den frühreifen Gitarrenhelden aufmerksam. Leslie schmeißt die Lehre und steigt bei der Band ein. "Zuhause war helle Aufregung." Von der ersten eigenen Gage erfüllt er sich einen Gitarrentraum, kauft sich eine Gretsch Country Gentleman und einen Vox-Verstärker wie ihn die Beatles spielten. "Jetzt hatte ich den Weltmeisterton." Der sägte auf der Bühne aber nur, bis die Ordnungsbehörde kam. Dann musste Leslie in den Keller, er war noch minderjährig. Zwei "Twens" wollten daher sogar für den vaterlos aufgewachsenen Link die Vormundschaft übernehmen. Das aber klappte nicht.


Jeden Samstag und Sonntag bis tief in die Nacht


Mit den "Twens", mit den "Hitcats", der "Heiko Hens Combo" und "The Baggers" tourte Link durch Kneipen und Säle, musste von Mama aufgepäppelt werden, als die Fünfstunden-Auftritte jeden Samstag und Sonntag bis tief in die Nacht zum Zusammenbruch führten. Ein Angebot der "Rattles", der damals bekanntesten deutschen Beat-Band, schlug er aus.


Die Ruhe vor dem großen Durchbruch. Den schafften Leslie Link, der Bassist Heini Mohn, Sänger Peter Bischof und Schlagzeug-Gott Curt Cress mit der Band "Orange Peel". Die Hanauer nahmen Platten auf, tourten mit Rock- und Bluesgrößen wie Chuck Berry, der Spencer Davis Group, Black Sabbath oder Deep Purple. In Frankreich landete die deutsche Band gar einen Nummer 1-Hit.

"Wir wurden in Paris empfangen wie die Beatles", erinnert sich Link. Eine große Frankreich-Tournee scheiterte am Management, "Orange Peel" trennten sich nach internen Querelen 1971.


Er sei danach emotional in ein tiefes Loch gestürzt, sagt Link, damals gerade 24 Jahre alt. Er wechselte die Seiten, wurde vom Gitarrenspieler zum Gitarrenhändler. 1976 eröffnete er seinen ersten Laden, seit 1984 führt er „Links Musical Instruments“ zusammen mit seiner Frau Sonja.

 

Exklusive Instrumente für betuchte Rockstars

 

Gab es Anfangs vor allem exklusive Instrumente für betuchte Rockstars, findet inzwischen auch der Nachwuchsvirtuose mit schmalem Geldbeutel vom Experten ausgesuchtes und eingestelltes Handwerkszeug im Laden an der Großen Marktstraße.


Bis auf ein paar Auftritte mit den alten Kumpels von Orange Peel hat sich der "Hendrix von Hanau" auf den Bühnen rar gemacht. Spaß am Spiel hat er immer noch, arbeitet sogar an einer CD mit eigenen Titeln. Rock, Jazz, Country, Blues. "Die Musik muss berühren", sagt Bluesbrother Leslie, "da bin ich 'im Auftrag des Herrn' unterwegs."

 


 

Artikel Hanauer Anzeiger, 26. Juli 2018:

 

Musik-Legende Leslie Link: Ein Gläschen auf Mick Jagger

 

Auch Hanau hat seine Rock-Stars in der Mick-Jagger-Generation. Wenn der Frontmann der Rolling Stones heute seinen 75. Geburtstag feiert, wo er 1943 in Dartford bei London geboren wurde, trinkt in der Brüder-Grimm-Stadt zumindest einer ein Gläschen auf ihn: Leslie Link.

 

Der ist zwar vier Lenze jünger als der Brite mit der "Brown Sugar"-Stimme und kommt auch eher nach Keith Richards, dem Stones-Gitarristen, jedenfalls vom Instrument her. Aber eine lebende Legende ist der smarte Lockenkopf mit dem markanten Schnauzer in Musikerkreisen ebenfalls.

 

Nicht nur wegen seines kleinen, feinen Gitarrenlädchens in der Hanauer Altstadt, das ins 43. Jahr seines Bestehens geht. "1976 habe ich den Laden zusammen mit meiner Sonja, der besten Frau der Welt, aufgebaut", schmunzelt der 71-Jährige mit den (immer noch) Hammer-Riffs. Leslie, wie ihn so ziemlich jeder Gitarrist und Musiker nennt, ist schlicht eine Ikone auf dem Saiteninstrument.

 

Er hat das Feeling. Und er ist einer der wenigen Hanauer, die es über die kleinen Bühnen der Region hinaus zu einem der versiertesten Rock'n'Roll und Rhythm & Blues-Gitarristen geschafft haben. Unvergessen die Hanauer Band Orange Peel (1968 bis 1970), die zwar nur kurz Bestand hatte, international aber als "one of the first heavy progressive german acts" gewürdigt wird. Und mit "I got no time" den einzigen nennenswerten Single-Hit in die Rock-Charts brachte, den Brüder-Grimm-Städter je fabriziert haben. Der Gitarrist von Orange Peel war: Leslie Link.

 

„Na ja, ganz so ist das ooch nüch“, grinst Leslie. "Erstens bin ich in Seligenstadt geboren, also eigentlich 'kaa Geelerüb'. Und zweitens haben ja Peter Bischof oder Curti Cress viel größere Karrieren gemacht als ich." Bischof war Sänger der Hanauer Band und ist ein international gefragter Musikproduzent, Cress war der Drummer und ist ebenso heute eine Größe im Musikgeschäft.

 

Kann man also einen Leslie Link überhaupt in die Nähe eines Mick Jagger rücken? Nicht wirklich. Das will Leslie auch gar nicht. Wenn eines ihn – neben seiner Musik – auszeichnet, dann das: Er ist auf dem Boden geblieben. Denn irgendwie entscheiden auch Zufälle, der richtige Produzent oder Trends und andere Unwägbarkeiten über eine kleine, große oder ganz große Karriere als Musiker. Aber er ist zweifellos ein Local Hero, ein Top-Guitarero, und letzten Endes auch ein Familienmensch.

 

Doch: Es gibt eine Verbindung zu Mick Jagger. Und zwar über den Veranstaltungspapst Fritz Rau, vor wenigen Jahren verstorben. Der machte zusammen mit seinem Partner als "Lippmann & Rau" die großen Konzerte in Frankfurt und Umgebung. So auch 1976. Rau veranstaltete das Stones-Konzert in der Festhalle. Da kurz vor Konzertbeginn der Toningenieur ausgefallen war, mixte Leslie das Konzert ab. Auch das hatte er damals einfach drauf, mit Verstärkern kannte er sich aus.

 

Anschließend ging's ins Restaurant Karrenberg, der letzte Ausweg für Nachtschwärmer. Da gab es Essen bis um fünf Uhr früh. Leslie erzählt: "Wir saßen nach dem Gig mit Fritz und Bill Wyman, dem Stones-Bassisten, schon ziemlich angeschickert am Tisch. Gegen halb drei kam dann auch Mick Jagger eingelaufen. Ich konnte einen meiner Freunde damals gerade noch davon abhalten, sich auf ihn zu stürzen und sich ein Autogramm auf einem 1000-Mark-Schein geben zu lassen. Man will ja schließlich nicht aufdringlich sein. Aber irgendwie hatte Jagger seitdem bei uns den Spitznamen weg: 'Herr Mike Jäger'. So eine Mischung aus sächsisch und rheinländisch. Leider gibt es keine Fotos von dieser Nacht."

 

Leslie wollte schon immer "einfach nur spielen", wie er sagt. Gut spielen. Vielen – auch jüngeren – Hanauern ist der Revival-Auftritt von Orange Peel 2013 im Amphitheater noch in bester Erinnerung. Da verlängerte sogar Oberbürgermeister Claus Kaminsky "per order mufti" mal eben die Sperrstunde. Die Band feierte aber vorher schon, 2009 unter dem Motto "Reunion" und zusammen mit den Equals ("Rub-a-dub-dub", "Baby come back", ebenfalls eine 68er Combo), ein rauschendes Comeback-Fest.

 

Es waren aber auch Leslies Solo-Auftritte mit anderen Musikern, beispielsweise beim Bürgerfest, die in Musikerkreisen unvergessen bleiben. Prägend für die Musik der Zeit war nicht nur in ‧Hanau die Präsenz der Amerikaner. In zahllosen Clubs und Bars wurde Rock'n' Roll, vor allem aber auch Soul und Blues gespielt. "Tanzcafés" oder "Glastanzdielen" schossen auf deutscher Seite aus dem Boden – der Begriff ‧"Disco" kam erst viel später auf.

 

Einer der ganz frühen weißen und deutschen Musiker aus der Region, die sich der "schwarzen" Musik, dem Rhythm undamp; Blues, verschrieben hatten, stand schon mit 13, 14 Jahren auf diversen Bühnen und ist als Spross einer Musikerfamilie durch und durch nie unter seinem wirklichen Namen Harald Heinz, sondern eben unter dem fast schon als Etikett zu bezeichnenden "Leslie" berühmt geworden.

 

Musik machen war die Leidenschaft des 14-Jährigen und ist es bis heute geblieben. Von seinem Onkel inspiriert. "Ich war damals in der Familientruppe, wir haben Polkas und Märsche gespielt. Irgendwann hörte ich aus einem Schuppen neben einem Tanzlokal heraus Little Richard, ich glaub', mit 'Tutti frutti'. Von da an war's um mich geschehen."

 

Leslie holte sich kurzerhand eine Handvoll viel ältere Jungs zusammen, sie gründeten die Band "Leslie and his Phantoms". Prompt kam ein Jahr später, 1961, das Angebot von Jörn Rauser bei The Twens einzusteigen, die damals schon äußerst populär waren im Frankfurter und Hanauer Raum. "Hast du Lust, Berufsmusiker zu werden?", fragte Rauser. "Ja klar", lautete Leslies Antwort.

 

Außerdem spielten die Twens von Buddy Holly bis eben Little Richard und Chuck Berry so ziemlich alles, was als Rock 'n' Roll aus den Clubs der Amis heraus ins Land schwappte. Damit war er mit 14 Profi, die Twens verdienten auch ganz gut Geld. In dieser Zeit kam sogar ein Angebot der Rattles, der wohl erfolgreichsten deutschen Beatband der Sechziger neben The Lords.

 

Aber in Leslies musikalische Vorstellungen passte deren Sound schon lange nicht mehr. Inzwischen auch nicht mehr jener der Twens. „Er war einfach nicht schwarz genug“, so Leslie. Hinzu kam das Kennenlernen der Tilman Brothers und seine erste Fender-Gitarre. "Es gab damals in Deutschland keine Solid-Body Gitarren, nur diese 'Catharina-Valente-Klampfen' eben. Die erste Fender war für mich wie eine Mondlandung. Ich hab geübt wie ein Wahnsinniger, so acht Stunden am Tag. Viel Fleiß hat dann dazu geführt, dass der kleine Leslie abging wie ne Rakete", grinst er verschmitzt.

 

Schon Mitte der Sechziger waren es dann ganz andere Töne, die Leslies Sound prägten. Peter Bischof hatte er wieder getroffen, den ebenfalls "schwarzen, weißen" Sänger, und Cress, das Tier am Schlagzeug. Mit Heini Mohn am Bass, Ralf Wilheiß auf der Orgel und Achim Farr am Saxofon formierte sich die "Inspiration Six", mehr am Rhythm undamp; Blues und Soul orientiert. Sie tourten erfolgreich durchs Rhein-Main-Gebiet.

 

Bis 1968, dem Jahr, in dem vieles anders wurde. Leslie: "In diesem Jahr lernte ich mein Engelchen, meine Sonja, kennen, mit der ich heuer Goldene Hochzeit feiern werde. Ohne sie wäre ich oftmals einfach abgesackt", kommentiert er die teilweise turbulenten Jahre der späten 60er und frühen 70er. "Sie hat mich immer unterstützt, in allem, was ich gemacht habe." So wurde Leslie zum Familienmensch. Sohn Julian lebt in Florida, besuchen sich gegenseitig so oft wie möglich, nicht zuletzt wegen der drei Enkel.

 

 

Artikel Offenbach Post, 25. März 2025:

 

Ein Leben für die E-Gitarre

Biografie und CD des Musikers Leslie Link erschienen

 

Leslie Link in seinem Laden: Das kleine Geschäft an der Marktstraße war ein Paradies für Gitarristen und weit über Hanaus Stadtgrenzen hinweg bekannt. © ArchivFoto: Rainer Habermann
Leslie Link in seinem Laden: Das kleine Geschäft an der Marktstraße war ein Paradies für Gitarristen und weit über Hanaus Stadtgrenzen hinweg bekannt. © ArchivFoto: Rainer Habermann

Hanau – Die Nachricht machte im Herbst vorigen Jahres wie ein Lauffeuer die Runde in der Musikerszene. Und dies nicht nur in Hanau: Leslie wird seinen Gitarrenladen in der Hanauer Altstadt schließen. Aber auch die Stadtgesellschaft schlechthin nahm damals die Nachricht mit Bedauern bis Betroffenheit auf: Fürderhin wäre Hanau um eine Institution ärmer, denn Leslies Laden war – man kann es ohne Übertreibung sagen – international bekannt. Musiker aus halb Europa gaben sich dort die Klinke in die Hand, Gitarristen von Format suchten an der Marktstraße ebenso wie hoffnungsvolle Talente aus der hinteren Wetterau die Nähe und den Rat der "Institution" Leslie.

 

Im Laden war Leslie für alles zuständig, was einen Body, einen Hals und sechs Saiten hatte. Alles Übrige organisierte Leslies Frau Sonja. Ihr plötzlicher Tod traf Leslie denn auch hart. Eigentlich hätten beide bald das 50-Jährige des einstigen "Guitar Village" begehen können, doch dann blieb das Rollo des legendären Gitarrenladens unten.

 

Hanauer Original mit skurrilem Humor

 

Leslie war zweifelsohne einer der besten deutschen Musiker an seinem Instrument aus jener Zeit, als der Rock'n'Roll langsam alterte und die Pop-Musik sich auseinanderentwickelte. Beat, Soul, Psychodelic – der Himmel für Gitarristen war ab Mitte der 1960er weit offen. An Leslie Link manifestiert sich wieder einmal, dass man eben gerade nicht unbedingt ein Star der Hitparaden werden muss, um Generationen von Musikern stilistisch und technisch Vorbild und Anreger zu sein.

 

Darüber hinaus ist Leslie für die Hanauer Stadtgesellschaft das, was heutzutage Mangelware ist: ein Original. Persönlichkeit, ausgestattet mit skurrilem Humor, Sprachwitz und – natürlich auch Schrullen und Launen. In jedem Fall gäbe seine Vita, vom Gitarren besessenen Schulbuben aus Seligenstadt bis zum Träger der August-Gaul-Plakette, der höchsten Auszeichnung der Stadt Hanau für Verdienste um die Kultur, allemal den Stoff für eine Geschichte des Gitarrenpops. Und diejenigen, welche, wie der Verfasser dieser Zeilen, das Glück und das Vergnügen hatten, ihn in jungen Jahren zu treffen, könnten wohl so manchen Schwank für eine Vorabend-TV-Soap in 100 Folgen beisteuern.

 

Konkret greifbar ist nun eine Biografie des "Hanauer Jimi Hendrix", eine Zuschreibung freilich, die Leslie "aus Respekt vor Jimi", seinem durchaus stilprägenden Vorbild und Ideal, nie für sich in Anspruch genommen hat. "Leslie Link – Ein Leben im Electric Guitarland" ist der Titel des schmalen, aber inhaltsreichen Buches aus der Feder von Hans-Jürgen Lenhart.

 

Der geht nicht nur Leslies Werdegang als Musiker, Gitarrenidol und, ja, auch versiertem Musikalienhändler nach. Es zeichnet auch die Hanauer Musikszene im letzten Jahrhundertdrittel, also den entscheidenden Jahren in Leslies Musikerkarriere, „on the whole“ nach. Ganz nebenbei stellt er auch internationale Bezüge her.

Denn Leslie Link ist nicht nur seit frühster Jugend mit der regionalen Musikerszene verwoben, auch ins internationale Musikgeschäft bestanden und bestehen Fäden, Freundschaften, die Lenhart akribisch aufdröselt.

 

Es ist durchaus kein Name-dropping, wenn da plötzlich Tony Sheridan oder Alexis Korner auftauchen, J. J. Cale oder Steven Stills, die Everly Brothers oder Deep Purple.

Vor allem aber sind es die Schilderungen der lokalen Szene, die Leslie Link in vielen Stationen von den Twens bis zu Orange Peel, von der Hanauer "City-Bar" bis zum legendären Finish der Letzteren in der "Eden Bar" führte. So etwas machte denn das Buch auch für die Geschichte der Hanauer Musikszene des 20. Jahrhunderts unentbehrlich. Lenhart zelebriert da entlang von Leslies Biographie eine Zeitreise nicht nur durch ein Musikerleben, sondern auch durch die Lokalgeschichte der Garnisonsstadt Hanau.

 

Stars und Talente in Leslies Laden

 

Selbst hartgesottene Hanauer und vor allem diejenigen, die ja schon immer alles wussten, auch wenn sie nicht dabei waren, werden darin so manchen bislang unbekannten Schwank aus jenen "Goldenen Jahren" der Hanauer Musikszene finden – und staunen. Wer künftig über die Musik in Hanau mitreden will, der kommt um dieses Buch nicht herum.

 

Am Sonntag, 27. April, um 19 Uhr erfolgt die offizielle Präsentation des Buches im Szenelokal "Brückenkopf". Zugleich erscheint ein Schmankerl besonderer Art: Eine CD mit verschollen geglaubten Aufnahmen des Gitarristen Leslie Link aus dem Jahr 1984. Das bislang unveröffentlichte Soloalbum „Crossroad 84“ mit Peter Bischof (Gesang), Werner Fromm (Schlagzeug), Udo Kistner (Bass) und Oswin Haas (Keyboard). Auch die CD ist bereits im Hanauer Buchhandel und in den einschlägigen Musiklocations erhältlich.


WERNER KURZ