Offenbach Wer anders ist als der Rest, darf auch mal zelebriert werden. Also krönen die „Motten“ den grünen Plastikdino in ihrem neuen Musikvideo eben mit einem Alu-Hut. Die Marionetten ringsum steuern sie per Faden. Wackelpudding glibbert über den dunklen Boden der Kommune 2010. Unterstützt vom Klang des Synthesizers singt Peter Wallrich euphorisch: „Konserven sind meine Leidenschaft/ Ihr werdet schon sehen, das Ende naht!“

Für ihre Debüt-EP („MOTTEN“) hat das Duo eine Ode an den Prepper geschrieben. Diese Spezies Mensch also, welche vor dem drohenden Weltuntergang in den eigenen Keller flieht, Sicherheit sucht zwischen Hülsenfrüchten und Trockenobst. Wallrich sitzt jetzt auf einer Couch im Hof der Kommune an der Sprendlinger Landstraße, wo er und Band-Kollege Andreas Markusen regelmäßig proben. „Unsere erste Idee war: Wir wollen Verstoßene porträtieren“, sagt Wallrich über die EP, die sie am Samstag in der HfG Kapelle erstmals live spielen.

 

Ein Gedanke, der vielleicht auch mit der Entstehung der Band zusammenhängt. Wallrich, 26 Jahre, in Frankfurt hat er Produktdesign studiert, erzählt: „Eine Zeit lang habe ich mich einfach ziemlich alleine gefühlt.“ Also fotografiert der Musikliebhaber seinen Synthesizer, präsentiert ihn im Internet, auf Ebay Kleinanzeigen, versehen mit einem Aufruf: Bandkollege gesucht.

 

Eine Annonce wie geschaffen für Andreas Markusen. Vor einiger Zeit ist der 37-Jährige zu seiner Freundin nach Frankfurt gezogen – aus der Nähe von Aarhus an der dänischen Küste. Also schnappt er sich einen Stapel Schallplatten und fährt an die Karlstraße nach Offenbach. „Ich habe ihm mein Zimmer gezeigt und Tee angeboten. Ein bisschen hat es sich wie ein Date angefühlt“, sagt Wallrich und schmunzelt.

 

Traum vom Konzert in Kopenhagen

 

„Wir waren ziemlich schüchtern. Zwei Fremde mit eigenen Leben, die plötzlich aufeinandertreffen“, erinnert sich Markusen. Es ist ihre Leidenschaft für die Musik der 80er-Jahre, die sie zusammenbringt. Für Gruppen wie die Schweizer Band „Grauzone“, die den Sound der Neuen Deutschen Welle mit ihrem Hit „Eisbär“ vorwegnahm. Markusen entführt Wallrich in die Welt des dänischen Post Punk. Was folgt: In nur neun Monaten komponiert die Band zwölf Lieder – gesungen auf Deutsch und Dänisch. Das Schlagzeug haben sie selbst eingespielt, Gitarre, Bass und Synthesizer auch, in Wallrichs Offenbacher WG-Zimmer.

 

Zwei Musikvideos filmen Wallrich und Markusen mithilfe von Freunden, die leere Industriehalle an den Proberäumen der Kommune dient als Kulisse. In „Prepper“ trägt Markusen eine Ledermütze, die auch Kultregisseur Rainer Werner Fassbinder gut gestanden hätte – bloß, dass der vor 43 Jahren gestorben ist. Sehnen sich die beiden in Wirklichkeit nach einer anderen Zeit? Ja, zumindest musikalisch. „Heute bewegt sich die Musik ziemlich schnell. Es geht darum, diesen einen Song zu finden. Früher war das anders. Fans über die Live-Performance zu binden, reizt mich“, sagt Wallrich.

 

Die Schwere, die ihre Idole auszeichnet, fehlt ihnen dann doch, denn da ist auch Witz zu finden. In „Prepper“ kippt Wallrich ein Gläschen Tomatensaft ins Urinal und drückt auf die Spülung. In „Franz“ (es geht wohl nicht um den Fußballkaiser) setzen sie sich für eine Sequenz aufs Tandem – nackt – radeln für einen Augenblick durch die Dunkelheit. Und laden zum Mitsingen ein: „Ihr könnt mich nur noch belächeln / was ist schon normal, und was ist Wahnsinn?“

 

Für ihre Debüt-Performance am Samstagabend bringen die „Motten“ Verstärkung nach Offenbach: Lara Fischer spielt Bass, in Frankfurt studiert sie Jazz. Aus Köln kommt Wadim Neesbors, der Gitarre und Synthesizer übernimmt, die Musik gemixt und gemastert hat. Und für den Winter haben Wallrich und Markusen bereits einen Traum – den von der eigenen Tour nämlich. Für Kopenhagen hätte Markusen jedenfalls schon einen Konzertort aufgetrieben.JULIUS FASTNACHT

 

Das Konzert

 

findet statt am Samstag, 4. Oktober, 20 Uhr, in der HfG Kapelle (Schloßstraße 66). Zum Auftritt verkaufen die „Motten“ ein paar Kassetten ihrer neuen EP – vielleicht mit Sammlerwert?