Neu-Isenburg – Mysteriös muten die Umstände um die Schließung einer Neu-Isenburger Kneipen-Institution an: Seit rund sieben Monaten ist die Musikkneipe und Gaststätte „Treffpunkt“ in Neu-Isenburg geschlossen. Der Inhaber Tobias Steinmark tauchte im Dezember 2024 plötzlich sang- und klanglos ab. Seither war er nicht mehr gesehen und gehört. Auf zahlreiche telefonische Anfragen dieser Zeitung reagierte er nicht, auch Kontaktanfragen über seinen Bekanntenkreis blieben unbeantwortet.
Verhandlungen laufen
Seit Monaten schießen Spekulationen ins Kraut, was die Gründe für den ominösen Betriebsstopp der Kneipe sein könnten. Was wirklich mit dem Chef der Gaststätte passiert ist, der die Traditionskneipe von der Radeberger Gruppe pachtet, das weiß wohl nur ein eisern schweigender kleiner Kreis um den Kneipier herum. Ein Erlass zur Schließung des Lokals durch die Gewerbeaufsicht liegt nach Informationen dieser Zeitung jedenfalls nicht vor.
Gleichwohl hat er sich im Februar zuletzt schriftlich bei der Eigentümerin des Gebäudes in der Bahnhofstraße 50 gemeldet. Demnach deutet nach ihrer Darstellung alles darauf hin, dass der Treffpunkt-Chef wohl auch noch für eine längere Zeit abwesend sein wird. Auch wenn die Immobilienbesitzerin, die namentlich nicht in Erscheinung treten will, ihre Mieteinkünfte nach wie vor regelmäßig von der Radeberger-Gruppe erhält, hat sie nach eigenen Angaben ein reges Interesse an einer Wiederaufnahme des Gaststättenbetriebs. Ursprünglich zog sie in Erwägung, das Objekt zu verkaufen. Doch jetzt soll der Mietvertrag mit der Brauerei weiterlaufen. Zwischenzeitlich versuchte ein kleiner Personenkreis aus Neu-Isenburg, der ebenfalls anonym bleiben will, den „Treffer“, wie die Musikkneipe gerne bei Stammgästen genannt wird, auf eigene Faust wiederzueröffnen, auch wenn der jetzt laufende Pachtvertrag angeblich erst im kommenden Jahr ausläuft.
Immobilien-Eigentümerin und Brauerei haben ein lebhaftes Interesse daran, die bisherigen Gasträume zu vermieten. „Wir bestätigen unser grundsätzliches Bestreben, dass Gäste dort wieder einkehren können“, heißt es lapidar von der Binding-Brauerei, die zur Radeberger-Gruppe gehört. Dem Vernehmen nach laufen im Hintergrund ernsthafte Verhandlungen, einen neuen Pächter in die Bahnhofstraße 50 zu holen. Wenn sich die möglichen Vertragspartner in Kürze einig werden sollten – und danach sieht es derzeit eindeutig aus –, könnte noch in diesem Jahr eine Neueröffnung anstehen.
Nach unseren Recherchen gab es vor einigen Monaten Hinweise, dass Vorgespräche für eine alternative Anmietung von Räumen für einen neuen „Treffer“ in einem anderen Gebäude stattfanden: Das Haus im Erdgeschoss des vormaligen Hotels „Central“ in der Frankfurter Straße 11 hat seit Kurzem einen neuen Eigentümer. Die Herberge musste das Gebäude Anfang Juni räumen.
Ein Ort der Zusammenkunft fehlt
Über Monate hinweg bekundeten Stammgäste und Kommunalpolitiker ihr Bedauern über das plötzliche Betriebsende des „Treffpunkts“. Allein wegen der unklaren Zukunft des „Treffpunkts“ haben sich inzwischen fast 1000 Personen zu einer Gruppe auf der Social-Media-Plattform Facebook zusammengeschlossen und tauschen sich über die Kneipe aus.
Ein Neu-Isenburger Leser dieser Zeitung schreibt uns: „Hier stirbt vielleicht gerade ein Traditionslokal, das fast fünfzig Jahre Musiklokal, Probelauf und Karrierestart für manche Musiker war, zum Beispiel für die ‚Rodgau Monotones‘, ‚Flatsch‘ und ‚Barny Baller‘.“ Kati Conrad, Stadtverordnete der Fraktion „Die Ysenburger!“ meint, nach den Plenar- und Ausschusssitzungen hätten Stadtpolitiker sich auch immer wieder im „Treffpunkt“ getroffen – bürgernah und ungezwungen. Hier sei man über Parteigrenzen hinweg ins Gespräch gekommen.
Der Gründer und einstige Mitgesellschafter des „Treffpunkts“, Manfred Ferger, steht wie kein anderer für den Erfolg der Gaststätte. Allerdings hat er sich aus dem Tagesgeschäft komplett zurückgezogen, zumal er vorwiegend auf der Insel Martinique in der Karibik lebt. Doch immer wieder zieht es ihn nach Neu-Isenburg zurück. Dann residiert er laut einiger Bekannter mitunter auf dem Gelände des „Treffpunkts“. Für die Redaktion war er jedoch nicht erreichbar.
KAI SCHLICHTERMANN





