Pimpanella Paprika

 

Frauen-Rockband aus Obertshausen (1977 -1980)

 

Ute Jeutter (voc, g), Connie Thau (voc, g), Gabi Krug (b), Steffi (voc, dr) (1976),

Hilde Tögel (voc, dr) (1977), Karin Röltz (voc, dr) (1978 - 1980),

Leo Poth (voc, tr, blues harp), Anni Wald (voc, conga)

 

 

Connie Thau erinnert sich:

 

Wir waren Anfang 20 und voller Elan. Es war die Zeit der Frauenbewegung. Von der Umsetzung der gesetzlichen Gleichstellung von Mann und Frau waren wir meilenweit entfernt: kein Zugang zu klassischen Männerberufen, Gewalt gegen Frauen als Kavaliersdelikt, kaum eine Frau in der Politik. Es gab viel Stoff für Empörung.

 

 

 

Es muss Ende der Siebziger gewesen sie, als wir unseren ersten Text schrieben: Mariechen. Mit Akkordeon und im ¾-Takt protestierten wir gegen Abtreibungsverbot. Wie auch in allen späteren Texten besangen wir Schicksale von Frauen. Immer wütend. Immer laut. Und meistens sehr lang, denn es gab viel zu sagen. In manchen Liedern brachten wir es auf 12 Strophen (plus Refrain!).

 

 

 

Zum Glück verschwand das Akkordeon. Wir spielten jetzt Bass, Schlagzeug, Gitarre, Congas und Trompete. Unser Hauptproblem: keine von uns beherrschte sein Instrument wirklich gut – learning by doing war angesagt. Und vor allem einfache Melodien und Rhythmen. Wir spielten also Blues und harten Rock aus drei oder vier Akkorden.

 

 

 

Unseren Ersten Gig hatten wir im Jugendhaus Dudenhofen. Die Rodgau Monotones spielten dort und wir durften unsere ersten drei Lieder zum Besten geben. Ich glaube, es klang gruslig, aber das Publikum war begeistert. Hatte es doch noch nie eine Frauenband gegeben!

 

 

 

Ab jetzt stand fest: Wir sind PIMPANELLA PAPRIKA und wir werden spielen.

 

 

 

Wir schrieben Texte, probten wöchentlich (im Winter frierend um einen Bollerofen geschart) und wurden immer öfter für Auftritte angefragt. Weil natürlich alles aus Solidarität geschah, verlangten wir auch nur kleinste Gagen. Entsprechend sah unser Equipment aus: gebraucht, geborgt oder günstig erworben (Musikalienhandlung Büttner in Offenbach sei Dank!).

 

 

 

In dieser Zeit kamen die Frauenfeste auf. Männer hatten keinen Zutritt, aber mit den Pimpanellas war Livemusik garantiert. Weil es in ganz Deutschland nur wenige Frauenbands gab, sind wir damals ganz gut herumgekommen. Auch in Köln, Heidelberg und Berlin haben wir gespielt und auf dem Frauenmusikfestival in Nimwegen.

 

 

In Frankfurt kam dann das Volksbildungsheim dazu, auch in der Batschkapp waren wir zu sehen und auf dem Uni-Kampus. Das Highligt war sicher der Auftritt auf der "Rock gegen Rechts"–Veranstaltung am Rebstock-Gelände.

 

 

 

Die Medien wurden natürlich auch aufmerksam. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung wollte einen Artikel über uns schreiben. Wir lehnten ab, weil wir in so einem konservativen Blatt nicht vorkommen wollten. (Bei uns war noch nicht angekommen, dass das Feuilleton der FAZ zu den wichtigsten Deutschlands gehört!). Aber dem ZDF erlaubten wir dann doch, einen Beitrag über uns zu machen. Wir spielten "Mensch Mädchen", ein Lied über Frauen in Männerberufen für eine Jugendsendung.

 

 

 

Und dann war da noch der Hessische Rundfunk. Gemeinsam mit der "Humbug Horn Band" waren wir zwei Stunden zu Gast in einer Radio-Livesendung. Wir spielten abwechselnd, dazwischen gab es Diskussionen und Einspielungen von Anrufern. Im Verlauf der Sendung fühlte sich der Moderator doch recht provoziert von uns und wir gleichermaßen von ihm. Kurz gesagt: als die Schreierei eskalierte, wurden wir aus- und die Musik eingeblendet. Aus heutiger Sicht, hätten wir uns alle mehr Souveränität gewünscht. Aber mal ehrlich: Hätten wir heute eine Bundeskanzlerin, wenn wir (und die anderen Frauen) höflich und leise geblieben wären?

 

 

 

Die Pimpanellas gab es etwa vier Jahre, dann bröckelte sie ganz langsam auseinander. Wirklich schade, denn kaum zwei Jahre später schwappte der Punk aus England herüber. Rückblickend hatte unsere Musik viel Ähnlichkeit mit Punk. Wer weiß, wie berühmt wir geworden wären, wenn wir noch etwas länger durchgehalten hätten.

 

 

 

Leonore Poth:

 

Das Liederheft zur Band, 16 Lieder die wir damals geschrieben und gespielt haben. Ich hatte das gestaltet mit Linolschnitten und wir haben es bei Konzerten für 1DM verkauft. 

 


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